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Rede vom 29.11.2016

Rede Betriebsversammlung 29.11.2016

Ulf Wittkowski für die alternative

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nun neigt sich das Jahr dem Ende zu und die anfängliche Euphorie über das Zukunftsbild ist auch schon etwas verflogen. Die Verkehrsprobleme in den letzten Wochen haben uns noch einmal gezeigt wie wichtig es wäre den Verkehr zu entlasten. Deshalb noch einmal an die Werkleitung die Aufforderung die Proficard vom HVV, jetzt endlich einzuführen!

Wir, die alternative, haben euch im laufenden Jahr, aber auch schon vorher, darauf aufmerksam gemacht, dass diese Zukunft für uns nicht unbedingt rosig aussieht. Die Sozialversicherungen und Renten weisen nicht in eine bessere Zukunft. Wir haben euch auch erklärt warum. Die prekäre (unsichere) Beschäftigung, durch Leih- und Fremdarbeit senkt die Löhne und damit auch die Beiträge. „equal pay“ ist da wohl doch eher eine falsche Botschaft. Auf Festeinstellungen zu drängen ist da der bessere Weg!

Unserer Jugend bieten sich wenig Perspektiven, ins besondere wenn sie aus einfachen Verhältnissen stammen. Dieser Trend ist auch im Werk zu erkennen. In diesem Jahr werden wieder keine Auszubildenden in die Fachbereiche übernommen. Der Einsatz von uns alternative für gesunde Arbeitszeiten, auch bei der Betreuung sämtlicher Schichten durch die Instandhaltung, ist von der IGM und auch von der Perspektive bekämpft worden. Immerhin ist dadurch ein Bedarf von 5 Arbeitsplätzen weggefallen. Es bestätigt sich, dass es so ist wie wir es euch dargestellt haben:

Die Beschäftigungssicherung setzt auf Verbilligung der Arbeit!!!

Da treten alte gewerkschaftliche Ziele, wie die Arbeitszeitverkürzung, in den Hintergrund. Im Gegenteil die Arbeitszeiten werden noch durch Flexibilisierung und Sonderschichten erweitert. Angeblich sollen dadurch unsere Arbeitsplätze sicherer werden. Wie die IG Metall das jetzt mit ihrer Arbeitszeit-Kampagne ändern will bleibt uns bisher verschlossen. Doch schauen wir uns um, an allen Ecken und Kanten werden Arbeitsplätze durch Fremdvergabe und Leiharbeit abgebaut. Frage an die IG Metallfaktion und an die Perspektive, die dem immer wieder zustimmen, sieht so Beschäftigungssicherung aus?   - Sicher nicht, aber das verkauft ihr den Kolleginnen und Kollegen hier!

Jetzt haben sie unsere Betriebsvereinbarung zur Arbeitskleidung gekündigt. Haben sie uns den nun das wiedergegeben, was sie von uns damals eingehandelt haben?  - Nein, sie haben uns den Urlaubstag nicht wiedergegeben!

Sie geben uns nichts was wir nicht erkämpft haben und was gesetzlich gemacht werden muss!

Wieso glaubt ihr dann das Verträge Beschäftigung sichern können? Auch die sind nicht einklagbar! Wir alternative wollen ja gar nicht alles schlecht reden. Es ist natürlich gut wenn wir vernünftige Produkte herstellen. Das ist doch auch selbstverständlich, dass das Unternehmen uns Arbeit gibt, denn von dem Mehrwert den wir erwirtschaften profitieren sie ja in erster Linie – „Best for ever!“

Es geht uns, der alternative, vielmehr darum, die Situation realistisch einzuschätzen und uns gegen diese Lügen zu organisieren! Doch leider hat die IG Metallfraktion anscheinend die Seiten gewechselt und auch da können wir nicht schweigen. Auch wenn aktive Vertreter im Betriebsrat und Gewerkschaft meinen das mitmachen zu müssen!

Ihr glaubt doch auch nicht an den Weihnachtsmann, also betrachtet eure Situation doch bitte auch mal etwas realistischer!!!

Wie wir wissen ist alles im Wandel, auch unsere Arbeit! Doch wir neigen dazu uns gern an dem zu Klammern was wir haben. Doch das Zitat von Benjamin-Franklin:

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

Warnt uns vor dem wie jetzt die Betriebsratsmehrheit damit umgeht.

Auf der letzten Betriebsrätetagung bestätigte uns der GBR Vorsitzende Michael Brecht. Die Beschleunigte E-Mobilisierung kostet Arbeitsplätze und macht die bisherigen Untersuchungen, die noch von einem zeitweiligen Zuwachs ausgegangen sind, hinfällig. Er sprach von einem Verhältnis von 6:1(also von 6 Arbeitsplätzen bleibt einer erhalten). Das dürfte realistisch sein, denn es werden keine herkömmlichen Motoren mehr gebaut, keine Getriebe und Krümmer benötigt werden. Doch seine Hoffnung, die Folgen auf die neuen Werke im Osten abschieben zu können, teilt die alternative nicht. Wir glauben, dass wir uns auf einen Umbau vorbereiten müssen, ähnlich wie bei VW, die in den Inlandswerken 23TSD Arbeitsplätze abbauen werden und nur ca. 9TSD neue schaffen wollen – sozialverträglich!?

Doch wir alternative sehen noch eine große Veränderung auf unsere Arbeitswelt zukommen. So wie auch das Autofahren vor einem neuen Niveau steht, das selbstfahrende Auto, werden wir uns auch in der Produktion mit einer neuen Dimension befassen müssen. Es nennt sich: Industrie 4.0. Das zusammenfassen von Entwicklungen bei den Maschinen, der Elektronik und der Vernetzung führt zu einer neuen Art der Produktion. Elemente haben wir schon. Die Achsen für Bremen werden mit Hilfe der Zellsteuerung produziert. Ein System das die Logistik und die Zeitabläufe steuert, so dass die richtigen Achsen für Bremen gebaut werden können.

Was ist Industrie 4.0 und wie verändert sie unsere Arbeitswelt?

Industrie 4.0 soll eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion ermöglichen. Die Produktion wird mit moderner Informations- und Kommunikationstechniken verzahnt werden. Menschen, Maschinen und Anlagen sowie die Logistik sollen direkt miteinander kommunizieren. Durch eben diese Vernetzung soll die ganze Wertschöpfungskette und nicht nur jeder Produktionsschritt einzeln optimiert werden.

Diese Idee elektrisiert die Manager, weil es enorme Sparpotentiale bietet und es wird weltweit mit Hochdruck an der Umsetzung gearbeitet.

So gibt es heute schon Rechnersysteme, die weltweit gigantische Datenbanken durchforsten, die stets dazulernen und nichts vergessen. Diese Systeme unterstützen schon heute Mediziner bei der Wahl der Behandlung, Juristen in Rechtsfragen, Meteorologen bei ihren Prognosen und viele mehr. Auf Wunsch in verschiedensten Sprachen und selbstverständlich mit einer korrekten Quellenangabe.

Es gibt auch schon Industrieroboter die kollaborativ arbeiten können, die ihre Arbeitsabläufe selbst optimieren. Diese Roboter interagieren quasi um den bestmöglichen Weg, zur Erfüllung ihrer Aufgabe völlig autonom zu finden.

Ein weiteres Beispiel sind 3-D Drucker, die heute schon in der Lage sind, Teile in der Flugzeugindustrie zu produzieren, die leichter, robuster und billiger sind.

Aber nicht nur in der Industrie wird diese Entwicklung stattfinden. Auch unser tägliches Leben wird sich dadurch ändern. Ein einfaches Beispiel: Früher holten wir unser Geld am Schalter von Bankangestellten, dann vom  Geldautomaten und in Zukunft werden wir einem Funkchip aufwerten, ähnlich wie bei uns in der Kantine.

Und damit komme ich auf den Punkt, es fallen Arbeitsplätze weg! Doch welche Jobs fallen dadurch weg? Der des Bankangestellten und der der Kassiererin im Supermarkt! Und dies ist nur ein Beispiel von Vielen.

Der Rationalisierungsdruck durch die Digitalisierung ist enorm!

Nachdem der klassische Industriearbeiter, also wir, von der Automatisierung unter Druck gerieten, sind nun die sachbearbeitenden Berufe unter Druck, obwohl sie hochqualifiziert sind.

Gefährdet sind kaufmännisch und technische Berufe: Betriebswirtschaftler, Büro- und Sekretariatskräfte, Bankkaufleute und Buchhalter, aber auch Logistiker, Techniker und Ingenieure, um nur einige zu nennen.

Es heißt nicht, dass diese Arbeit in zwanzig Jahren nicht mehr gebraucht wird, aber die Arbeitswelt wird sich ändern und zur weiteren Dezentralisierung führen.

So haben Feldversuche in den USA ergeben, dass sich eine Arbeitsform entwickeln wird, die dort „crowd-working“ genannt wird. Es werden Arbeitsaufträge jedweder Art auf eine internationale Online -Plattform gestellt. Von dort können sich dann Personen, Firmen oder Organisationen, um die Arbeit bewerben und ihre Leistung und Preise anbieten. Gewiss, auch in den USA ist man zu diesem Thema noch am Anfang aber schon weiter als in Europa. Denn die sog. „Old-Economy“ tut sich schwer damit, sich auf grundlegende Veränderungen einzustellen. Die Infragestellung von bekannten Konzepten ist nicht so das Ding einer jahrzehntealten Organisation; und darin liegt auch die Gefahr.

Dennoch, es tut sich was. So zum Beispiel bei Daimler „Leadership 2020“: Das Einbringen und Fördern persönlicher Kompetenzen, die Nutzung der „Schwarm-intelligenz“ (niedliche Wortschöpfung übrigens) oder das Durchdenken von Konzepten in der „Garage“ (eine nette Anspielung auf Apple, Google und Microsoft, die alle aus einer Garage heraus entstanden sind).

Wie wir sehen stellt sich Daimler auf die neuen Herausforderungen, die kommen werden, ein. Doch es stehen auch bekannte Strukturen vor Umstellungen und es wäre nicht das erste Mal, dass eine an sich gute Idee im Gestrüpp der Organisation hängen bleibt.

Doch wie sind wir, die ihre Familien ernähren müssen, darauf eingestellt? Eher schlecht, denn aller Voraussicht nach werden bei dieser Umstellung Arbeitsplätze draufgehen, oder dezentralisiert werden, so dass wir nicht mehr organisiert um unsere Arbeit und Löhne kämpfen können.

Wir könnten zu diesem Thema noch stundenlang reden, doch für heute langt es um euch auf die Risiken für unsere Arbeitsplätze hinzuweisen, die die zukünftige Produktionsweise Industrie 4.0 mit sich bringt. Da baut vielleicht Daimler und das Werk 68 „Zukunft“, aber wie weit wir darin vorkommen ist bei der jetzigen Betriebspolitik mehr wie fraglich!!!

Wir finden, ihr solltet darüber nachdenken!

Zum Schluss unserer Rede möchten wir uns von unseren langjährigen alternativen Kämpfer Mainhard Schmidt verabschieden. Ab den 1.Dezember geht Mainhard in die Ruhephase der Altersteilzeit. Vielen Dank für deinen jahrzehntelangen Einsatz bei uns und im Betriebsrat den du für die Kollegen geleistet hast!

Es soll auch nicht vergessen werden, euch und euren Familien, ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen. Wir alternativen wüschen euch vom ganzen Herzen, dass das neue Jahr ein gutes und glückliches für euch wird.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

Eure alternative

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