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Betriebsversammlung 27.09.2016

Rede Betriebsversammlung 27.09.2016

Ulf Wittkowski für die alternative

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Als ich vor kurzem aus dem Urlaub zurückgekommen, bin haben mich gleich wieder die Plakate der „go“ Kampagne angegrinst. Plakate die uns glauben machen sollen, dass wir eine Zukunft haben. „Go“! Unternehmen und die IG Metall demonstrieren ihre Gleichschaltung. Also braucht auch der Kapitalismus Propaganda und kann uns nicht durch besseres Leben überzeugen. Die Propaganda zeigt, dass die Kritik der alternative nötig ist.

Was in der DDR als Propaganda verpönt war, wird nun positiv aufgenommen. Die alternative ist da skeptischer.

Leih- und Fremdarbeit und die Senkung der Arbeitskosten deuten an, dass die Formel „Gute Produkte gleich zukünftig gute Beschäftigung“ zu einfach ist. Wenn man nur eine Seite im Dreieck hat kann man noch nicht die anderen Werte des Dreiecks berechnen. Doch wir haben mehr Daten. Die Verbilligung der Arbeit durch Leih- und Fremdarbeit und die Absenkung der Sozialleistung. Rechnen wir die mit in unser Zukunftsdreieck, können wir mit Sicherheit erkennen, dass das Dreieck für uns nicht so günstig aussieht.

Wenn auch unsere Zukunftsprodukte zukunftsträchtig sein mögen, wie ist es denn mit der Zukunftsfähigkeit unserer Organisation im Werk?

Fremdvergaben im indirekten Bereich, besonders im facility management geben uns zu denken. Hier gerät auch das Unternehmen in Grenzbereiche. Bei Umbauten werden durch eine überhöhte Bürokratie die Budgets oft erst freigegeben, wenn eigentlich die Baumaßnahmen losgehen sollen. Bauvorhaben werden gesplittet, so dass sich oft wenig bis gar keine Bewerber auf die Ausschreibungen finden. Bei kleineren Aufträgen zahlt das Werk keine Abschläge, so dass nur finanzstarke Firmen es sich leisten können, solche Aufträge anzunehmen. Jetzt sind endlich Gelder für die Erneuerung der Toiletten bewilligt worden, was sowieso überfällig war, doch jetzt finden sich keine Firmen und wenn sie doch Leute über haben, um den Auftrag anzunehmen fehlt sehr häufig die Qualifikation. Trotzdem versucht man weiter, alles fremd zu vergeben, so dass Eigenleistungen gar nicht mehr möglich sind. Durch Einsparungen werden die Planungen von Bauvorhaben häufig sogar von Praktikanten und Diplomanten erledigt. Doch denen fehlt das „know how“ und die Erfahrung bei der Einschätzung der Arbeiten sowie die Beziehungen zu Handwerksbetrieben, deren Fachkräfte, wie schon ausgeführt, oft schon langfristig anderweitig beschäftigt sind. Hinzu kommt die schlechte Zahlungsmoral von Daimler. Das hören wir immer wieder von den Handwerksbetrieben. Viele können es sich nicht leisten, lange auf ihr Geld zu warten und dann noch zu Kulanzleistungen gezwungen werden, für Sachen die nicht unbedingt so vereinbart waren gerade zustehen. Doch das alles ist (soll) integer sein und ist im Rahmen von Compliance abgesegnet. Betrachtet man dies im Zusammenhang mit den nötigen Umbauten für unser neues Standbein             E - Mobilität ist es fraglich ob wir Firmen finden, die uns das mal eben hinzau­bern können.

Da haben wir ein Problem mit unserer Zukunftsfähigkeit!

Man   macht sich was vor. Genau wie die Fehleinschätzung, das die Kosten unserer Ersatzteillagerung von den Maschinenherstellern übernommen werden. Es war nur eine Frage der Zeit bis diese sich das bezahlen lassen, bzw. auch nicht mehr sofort abrufbar auf Lager haben.

Dies ist kein Isoliertes Problem.

Durch Fremdvergaben werden nicht nur Kosten gesenkt, sondern auch die Fähigkeit, selbstständig zu handeln!

Mit Leiharbeit geht es uns ähnlich. Immer wieder treten die Bereiche an die Personalkommission heran und möchten für eine bestimmte Aufgabe Ingenieure für eine temporäre Aufgabe haben. In der Kommission sind wir uns über alle Fraktionen einig, dass hierfür erst einmal geprüft werden muss, ob sich nicht Kolleginnen und Kollegen aus dem Betrieb weitergebildet haben und so eine Aufgabe übernehmen könnten. Das Problem ist wie diese Zeiten zu regeln sind. Verleihungen passen dem Unternehmen nicht, weil sie die Kollegen nach 6 Monaten auf den Arbeitsplatz übernehmen müssten - laut unseres Tarifvertrages. Wir haben den Vorschlag gemacht, dass man den Kollegen einen Zeitvertrag für diese Arbeit anbietet, der die Bezahlung und die Bedingungen regelt. Der eigentliche Arbeitsvertrag könnte dann solange ruhen und tritt mit Ablauf des Zeitvertrages wieder in Kraft. Doch das muss noch geklärt werden. Hier sollte man vorankommen, denn aus der Chance unsere Kollegen an solche Aufgaben heranzubringen eröffnet dem Unternehmen die Chancen das „know how“ im Betrieb zu behalten und auf Kollegen mit Erfahrung, zurückgreifen zu können.

Diese Fremdvergaben und Leiharbeit bewirken aber auch eine weitere Senkung der Löhne und diese wiederum eine Absenkung der sozialen Leistungen. Nur gut das Bedenken von Schönrednern weggeredet werden konnten. Bis hin zu der Kampagne „Go“. Uns geht es doch gut, das Zukunftsbild sichert unsere Arbeitsplätze bis 2025. Das unsere Zukunft aber immer fraglicher wird und es auch unwahrscheinlich ist, ob mit diesen Methoden die betriebliche Zukunft überhaupt erreicht werden kann. Mit Sicherheit ist unsere soziale Zukunft nicht mehr gegeben. Eine weitere Verschlechterung der Einkommen wird mit einer weiteren Verschlechterung der Sozialleistungen und Renten einhergehen. Doch auch im Großen traut man es denen zu es zu verbessern, die für diese Verschlechterungen gesorgt haben. Wer war es denn, der uns die Agenda 2010 eingebrockt hat? Jetzt erzählen sie, dass wir wieder zur Parität zurück müssen!

Die „Agenda 2010“, ist für uns eine Verschlechterung die von einer Regierung eingeführt wurde, die das Wort „sozial“ auf ihre Fahne geschrieben hat. Dies hat zu einer für uns gefährlichen Schieflage geführt. Ein Arbeiter oder jemand aus dem Mittelstand kann somit binnen kürzester Zeit in das System „Hartz IV“ gelangen aus dem es, das haben Untersuchungen ergeben, kaum ein Entrinnen gibt. Denn wie soll sich jemand für den sich ständig ändernden Arbeitsmarkt qualifizieren, wenn er zu einer Arbeit genötigt werden kann die deutlich unter seiner erlangten bisherigen Spezifikation liegt.

„Hartz IV“ ist keine soziale Hilfe sondern eine Armutsfalle in die jeder von uns, auch unverschuldet, gelangen kann. Außerdem wurde das paritätische System zur Finanzierung der Sozialversicherungen abgeschafft. Alles um den Standort Deutschland zu stärken.


Kolleginnen und Kollegen

Es gibt derzeit eine öffentliche Diskussion über Ungerechtigkeiten in Deutschland.

Auch wir können und wollen uns diesem Thema nicht verschließen, denn der Zustand einer Gesellschaft wirkt sich unmittelbar auch auf die Arbeitswelt aus. Wie wir es Euch am Beispiel in unserem Werk dargestellt haben.

Was ist in Deutschland Ungerecht:

Die Besteuerung! Das Sozialsystem! Die Rente! Die Krankenversicherung! Die Bildung und damit der soziale Aufstieg! Die Arbeitswelt!

Steuern

Wie kann es denn sein, dass Kapitalerträge niedriger besteuert werden als unsere Löhne? Oder dass das Kapital Möglichkeiten hat vor der deutschen Besteuerung zu fliehen und die niedrigeren Steuersätze im Ausland nutzt. Warum war im Rahmen der Finanzkrise, die die ganze Welt ins Schlingern brachte und bringt, keine Kapitalertragssteuer von lächerlichen 0,5% möglich?

Um „die Märkte nicht zu beunruhigen“, wie es aus der Politik hieß. Eine lächerlichere Worthülse kann man sich kaum vorstellen.

Dass bekannte und wohlhabende Leute auch noch meinen sie bräuchten gar keine Steuern zu zahlen, sei hier nur nebenbei erwähnt.

Rente

Zur Rente muss man sich mal verdeutlichen, dass sie in naher Zukunft auf 43% gesenkt werden soll und auch noch versteuert und mit Sozialabgaben belastet werden. Gewiss, die älteren von uns sind davon nicht so hart betroffen, aber ich möchte mal die langen Gesichter Eurer Kinder sehen, wenn sie später mal von einer Summe „X – 57%“ leben sollen. Deshalb sollten wir uns Klarmachen:

Die Rente ist ein Generationenvertrag und sollte durch den Zuwachs des Bruttosozialproduktes finanziert werden, die Verteilung findet über die Löhne statt. Doch es gibt da ein Problem was wir als Stammarbeiter nicht gemerkt haben. Die Löhne in Deutschland sind durch Leih- und Fremdarbeit stark abgesenkt worden(Standortsicherung - Agenda 2010 – Kriegskasse zur Wiedervereinigung), und wir haben seit Jahren Nullrunden bei den Löhnen.

Wir haben Euch auf einer Betriebsversammlung mal deutlich gemacht warum Bismarck die Sozialversicherungen erschaffen hat. Wenn ein Fünkchen von sozialer Verantwortung übrig geblieben ist, sollten die Renten und Sozialversicherungen auch endlich von allen finanziert werden, nämlich über Steuern!

So macht es sich die Politik mit dem Schlagwort „Eigenvorsorge“ zu einfach.

Eigenvorsorge? Schön und gut, aber wovon denn, von den niedrigen Löhnen? Von der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank? Selbst die Lebensversicherungen wollen sich kurz- und mittelfristig aus diesem Geschäftsfeld verabschieden weil ihre Geschäfte nicht aufgehen.

Nullzinspolitik dient nur dem Kapital zur Beschaffung billigen Geldes.

Krankenversicherung

Zur Krankenversicherung nur so viel: Was ist von einer Versicherung zu halten, die normale Zipperlein wie die Notwendigkeit einer Brille oder eines Zahnersatzes, die ein älter werdender Mensch nun mal haben kann, nicht zahlt? Wir alle wissen, dass dafür leicht ein kleines Vermögen ausgegeben werden muss. Und dass bei einem kranken alten Menschen schon mal geschaut wird, ob sich eine Behandlung überhaupt noch lohnt, kommt leider auch vor.

Auch dies sind die Folgen der niedrigen Löhne in Deutschland!

Bildung und sozialer Aufstieg

Bildung und sozialer Aufstieg ist heute mehr denn je davon abhängig in welche Schicht man hineingeboren wird. Der eigene Aufstieg, das Einkommen und das soziale Ansehen sind direkt mit dem der Eltern verwoben.

Die Gründe dafür sind offensichtlich. Das normale Schulsystem ist für uns Normalbürger stark verschlechtert und Privatschulen  und Universitäten kosten ein Vermögen, das können sich nur noch wenige Leisten. Das Netzwerk der bürgerlichen Familien tut ein Übriges.

Gewiss, es gibt Ausnahmen, die werden aber immer seltener. Dass es so ist wie gerade geschildert belegen seriöse Untersuchungen.

Wir haben das Thema hier schon ausführlicher behandelt und bringen es nur noch mal in Erinnerung, denn es ist derart unsozial, dass es nicht oft genug genannt werden kann.

Ungerecht

Vor 30 Jahren noch verdiente ein Vorstandsvorsitzender etwa das dreißigfache- eines durchschnittlichen Arbeitnehmers.

Irgendwie hat man es als in Ordnung angesehen. Aber wie es heute? Ein CEO bringt es heute auf das mehrere hundertfache. Das versteht kaum noch jemand!

Wisst ihr eigentlich, dass wenn ein Unternehmen Pleite geht die Kapitaleinlagen vorrangig sind, bevor wir zu unseren Löhnen kommen!

Es zählt bei den Eliten nur noch der Vergleich untereinander und nicht der Abstand zu den Arbeitnehmern.

Es sorgt sich auch niemand um wirtschaftliche Schäden, die die ungezügelte Gier des Kapitalismus verursacht.

Diese Schäden treten aber ein, sei es die Immobilienblase in den USA im Jahr 2008 oder neueren Datums die Machenschaften von VW oder der Deutschen Bank, die heute milliardenschwere Strafsummen für illegales Gebaren zu zahlen haben.

Ihr seht: die tektonischen Platten, auf denen wir in Deutschland stehen, sind schwer ins Rutschen gekommen.

Den Reichen wird es leichter und den Ärmeren schwerer gemacht. Das kann im Extremfall den sozialen Frieden gefährden.

Und was tun die Gewerkschaften, die sich unsere Interessenvertreter nennen?

Die Gewerkschaften tragen die Idee der Standortsicherung mit und damit auch die Absenkung der Löhne in Deutschland und geben damit die eigentliche Interessenvertretung auf! Wir haben es Euch in unsere Rede in der Betriebsversammlung im April 2016 vor Augen geführt.

Wir müssen zu neuer Stärke und neuem Kampfesmut finden, die Gewerkschaft muss sich aus der Gleichschaltung mit den Unternehmern verabschieden, denn sonst wird das Brett auf dem wir stehen immer schmäler.

Wir finden ihr solltet es wissen!

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

Eure alternative