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Rede vom 23.05.2017

Rede Betriebsversammlung 23.05.2017

Ulf Wittkowski für die alternative

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

habt ihr Euch einmal gefragt, warum wir die letzten Jahre auf den Betriebsversammlungen Bestandsaufnahmen unseres Lebens und sozialen Umfeldes darstellten und analysierten. Was bringt uns die Zukunft, wie verändert Industrie 4.0 unser Leben?

Wir die alternative sind der Meinung, dass das Arbeitsleben auch unser gesellschaftliches Leben bestimmt. Das bedeutet, dass die Änderungen von Industrie 4.0 nicht nur unser Arbeitsleben, sondern auch unser Leben und unser soziales Umfeld stark verändern werden. Es ist deshalb auch unerlässlich zu sehen was ist und zu analysieren was da auf uns zukommt, um eine qualifizierte Interessenvertretung zu machen.

Und da uns bewusst ist, dass die Interessen der Unternehmer nicht unsere sind, kann es nicht klug sein uns an ihre Lösungen zu hängen. So baut Daimler sicherlich Zukunft, aber die Frage sollte doch lauten: wie kommen wir in Zukunft darin vor? Es macht daher keinen Sinn, für Arbeitsplatzsicherheit einzutreten, die sich auf die Arbeitswelt von gestern bezieht

Die bessere Lösung ist doch, dass wir unsere Rechte und Errungenschaften ausbauen, um zu sichern dass wir unsere Existenz auch morgen weiter durch Arbeit bestreiten können.

Nun betrachten wir doch mal die beiden Wege, die Euch hier angeboten werden. Den Weg der IG Metall und den Weg von der alternative – wir sind übrigens auch IG Metaller-  die aber eine alternative Gewerkschaftspolitik entwickeln. Dazu sollte noch gesagt werden, dass die Ziele eigentlich gleich lauten.

Zum Beispiel Arbeitszeit

Das Ziel der Gewerkschaft war es, durch Arbeitszeitverkürzung – 35 Stundenwoche - Arbeitsplätze zu schaffen. Das haben wir auch mit den Tarifabschluss 1984 erreicht. Die alternative war einer der Aktivposten in dieser Auseinandersetzung. Heute ist dies noch in den demoskopischen Betrachtungen deutlich zu erkennen. Nach 1984 gab es eine große Einstellungswelle.

Mittlerweile erkaufen wir eine vage Beschäftigungssicherung mit Ausweitung der Überstunden und den Verzicht auf Mitbestimmung. Dazu Leih- und Fremdarbeit.

Zum Beispiel Leiharbeit

Die IG Metall ist gegen Leih- und Fremdarbeit! Genau wie die alternative.

Doch während wir versuchen, diese Ziele auch in der betrieblichen Praxis umzusetzen mindern die betrieblichen Gewerkschaftsfraktionen dieses Ziel auf eine Begrenzung der Leiharbeit und verbalen Missfallenskundgebungen an Fremdarbeit ab. Dies hat jetzt schon zerstörenden Einfluss auf unsere Sozialsysteme. Die Entwicklung zu Industrie 4.0 wird prekäre Beschäftigung zum Normalfall werden lassen, weil wir uns haben spalten lassen.

Das wird der endgültige Bruch mit unserem heutigen Sozialsystem sein. Deshalb ist es jetzt wichtig, auf eine andere Finanzierung unserer Sozialsysteme hinzusteuern.

In der praktischen Arbeit deckt die alternative aber auch immer wieder Ungerechtigkeiten auf. Da geht ein Kollege in Elternzeit und ist der Dumme, weil sein Kind am ersten des Monats geboren wurde. Das Amt schreibt ihm den Beginn seiner Elternzeit vor. Die Auszahlungsbedingung und die Berechnung des Unternehmens bescheren ihm aber einen Verlust beim Urlaub samt Urlaubsgeld, bei der Sonderzahlung und der Ergebnisbeteiligung.

Das Problem, es wird 1/12 der Leistungen pro vollem Monat abgezogen. Hätte sich seine Abwesenheit auf zwei Monate verteilt hätte er laut Berechnung alle 12 Monate gearbeitet, nur ein voller Monat Abwesenheit wird abgezogen.

Hier hat das Unternehmen Handlungsbedarf, wenn es glaubwürdig zukunftsfähig sein will. Kinder sind unsere Zukunft!!!

Frage wie weit geht eigentlich der Spruch: „Geht nicht gibt es nicht!“ Eine Abteilung mit unter 80% Anwesenheit kann nicht mehr handlungsfähig sein. Doch auch hier wird kein Handlungsbedarf gesehen. Das geht auf die Gesundheit der anderen Kollegen und gefährdet die Produktion.

Aber wie soll man auch handeln, wenn die Flexibilisierung als 2. Stammbelegschaft gehandhabt wird, und nicht als Möglichkeit Engpässe auszugleichen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wir haben Euch schon mehrmals über den Wandel der Welt durch Digitalisierung erzählt. Vom Internet der Dinge, von sich selbst steuernden Produktionsanlagen und von der Künstlichen Intelligenz, kurz KI genannt.

Die Hoffnung der KI - Entwickler ist, dass Maschinen den Menschen in allen Bereichen unterstützen, bzw. ablösen. Das Leben soll für alle leichter und besser werden.

Es besteht aber auch die Angst, dass genau das Gegenteil eintritt. Das Leben wird nur für wenige besser und viele Menschen haben eben keine Arbeit mehr. Darauf könnten wir jetzt noch einwirken.

Die KI ist für unsere Existenz eine große Herausforderung und es gilt sie klug und richtig, zum Wohle des Menschen einzusetzen.

Gewiss, Terminator Armeen wird es nicht geben und Transformers mit menschlichem Bewusstsein überlassen wir der Fantasie Hollywoods, aber es wird Maschinen geben die lernen können, die Entscheidungen treffen, die nicht explizit vorgegeben sind. Die nicht, wie ein Mensch, kreativ denken, aber immerhin ein Auto steuern können.

Der LKW – Fahrer ist heute noch ein weitverbreiteter Beruf den es in Zukunft nicht mehr geben wird, jedenfalls nicht so wie wir es noch gewohnt sind.

Das selbstfahrende Auto ist das stärkste Symbol dafür, wie schnell heute schon Realität wird, was gestern noch in ferner Zukunft lag.

Aber nicht nur das, es gibt heute schon Computer die selbstständig Musik komponieren können, oder die von den Lippen lesen können, besser als jeder darin ausgebildete Mensch es kann.

Und ja, es wird schon diskutiert ob es sich noch lohnt, Radiologen auszubilden weil es Maschinen gibt oder geben wird, die das besser können.

„Deep Learning“ wird das in der KI – Entwicklung genannt und die Forschung dazu entwickelt sich rasant.

Die IT – Konzerne, die Industrie und auch die Politik ist gefordert dieser Entwicklung, einen humanistischen Rahmen zu geben. Aufhalten können wir diese Entwicklung nicht.

Es muss eine Instanz geschaffen werden, die sicherstellt dass die Technologie zum Nutzen aller Menschen eingesetzt wird.

Aber zugegeben, in Ansätzen das gibt es schon und zwar, man staune, von den großen IT – Konzernen selbst initiiert. Man ist sich dort durchaus im Klaren, dass diese Technologie auch missbraucht werden kann.

Dieser Fortschritt, damit kommen wir wieder zu uns und diesem Werk, wird ganze Berufsbilder vernichten. Aber sie werden durch neue ersetzt werden, das war bis jetzt immer so. Aber wann wird das sein? In 10 Jahren? In 20 Jahren? Bis es soweit ist wird es in der Arbeitswelt rutschig werden. Experten halten strukturelle Arbeitslosigkeit in den westlichen Industrienationen, zumindest für einige Zeit für wahrscheinlich. Eine gesunde Gesellschaft kann schwere Jahre verkraften und zwar durch ein ökonomisch und politisches System das die Unsicherheit des Wandels abfedert.

Ja, richtig gehört, auch das Kapital ist zum Handeln gefordert.

Die Arbeitswelt ist eng verwoben mit der gesellschaftlichen Welt. Unsicherheiten, seien sie auch nur gefühlt, können ein Rutschen in der Gesellschaft verursachen. Der Rechtspopulismus ist dafür das beste Beispiel.

Wachsender Lohndruck nach unten durch weniger Jobs und eine sich dezimierende Mittelstandsgesellschaft entwickeln eine höllisch gefährliche Dynamik.

Auch das Kapital trägt Verantwortung, um es nicht dazu kommen zu lassen. Unsere Gewerkschaften sind jetzt gefordert. Sie müssen sich jetzt und zwar genau jetzt Antworten auf die sich wandelnde Welt einfallen lassen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

In aller Munde ist das Thema Leadership 2020. Das Unternehmen stellt sich für seine Zukunft auf – Industrie 4.0. Viele, wir eingeschlossen, verstehen die Inhalte von Leadership noch nicht ganz. Wir werden es erst verstehen, wenn das Unternehmen uns seine Vorstellung der Fabrik unter Industrie 4.0 preisgibt!

Leadership 2020 wurde vor etwa einem Jahr vom Vorstand angestoßen. Es soll eine völlig neue Führungskultur im Unternehmen eingesetzt werden. Man spricht hier von Änderung der Spielregeln, vom Willen zu gewinnen, von Schwarmintelligenz und anderem, man will innerhalb der Entscheiderebenen die administrativen Wege verkürzen und auch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern soll ein sogenanntes 360° - Feedback eingeführt werden.

Für das Unternehmen ist es sicher ein richtiger Schritt, aber wie gehen wir damit um, wie vertreten wir weiter unsere Interessen in der neuen Arbeitswelt?

Zur Führung eines Unternehmens in Industrie 4.0 sind andere Dinge wichtig wie bisher. So wird eine effiziente Überwachung der Prozesse wichtiger sein, als eine Befehlshierarchie. Projektmanagement tritt an Stelle von hierarchischer Führung. Die jetzigen Führungskräfte müssen lernen ständig andere Aufgaben zu übernehmen, um die von der Steuerung vorgegebenen Prozesse, effektiv zu leiten und zu kontrollieren.

Wer von uns wurde nicht schon mal von Führungskräften aus zweiter oder dritter Reihe vor den Kopf gestoßen?

Manche sogar dergestalt, dass sie nunmehr „zugemacht“ haben und sich denken: „Euer Problem ist eben Euer Problem und die Arbeit, die auf Euch zurollt, macht Ihr freundlicherweise selber.“

Von der Einführung von „ERA“ ganz zu schweigen.

Liest man nun was mit Leadership 2020 gemeint ist, so reibt man sich die Augen und wendet sich mit Verwunderung.

Jetzt mit einem Mal wird uns wieder erzählt, wie wertvoll jeder Mitarbeiter ist.

Man fragt sich: Warum tut das Unternehmen das? Nun, ganz einfach, mit der Digitalisierung und der Elektrifizierung rollt eine Entwicklung auf die Autoindustrie zu, an die wir uns alle anpassen müssen.

Es werden andere Anforderungen an uns und an die Führungskräfte gestellt. Ein ständiges Lernen wird Voraussetzung sein, um diesem zu genügen.

Die Digitalisierung wird die Industrie weltweit „auf links“ drehen und es werden auch Unternehmen auf der Strecke bleiben. Gerade Betriebe der „old – economy“ werden sich damit schwer tun.

Doch wir dürfen uns nicht willenlos den Zielen des Unternehmens unterordnen, wenn auch wir unter diesen neuen Bedingungen eine Zukunft haben wollen.

Jetzt könnt Ihr erkennen, dass die alternative aufgrund ihrer Bestandsaufnahme und Analyse der Industrie 4.0 Wege aufzeigt, die entschieden auf die Wahrnehmung unserer Rechte zielen, um uns zukunftsfähig zu machen. In Zeiten der Globalisierung können Teile mit einer enorm gesteigerten Geschwindigkeit verlagert werden. Auch dies haben wir oft genug erlebt. Es vermittelt nur Kurzfristig „Sicherheit“!

Die alternative ist auch hier die einzige Fraktion, die Euch auf die veränderte Arbeitswelt vorbereitet, die sagt was Sache ist und eine alternative Politik daraus entwickelt und sich nicht durch Anpassung an irgendwelchen anderen oder eigennützigen Interessen, profilieren will!!!

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

Eure alternative