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Rede vom 05.12.2017

Rede Betriebsversammlung 05.12.2017

Ulf Wittkowski für die alternative

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Es ist schon rasant, was sich jetzt zum Jahresende noch alles entwickelt. Das hat sogar dazu geführt das unser Gesamtbetriebsratsvorsitzende das Werk Hamburg besucht. Sei herzlichst gegrüßt Michael, ein weiterer Gast ist heute Michael Rahmel, der Betriebsratsvorsitzende aus Berlin, auch dich begrüßen wir heute auf unserer Betriebsversammlung, die Begrüßung erspart euch aber nicht, dass wir, die alternative, uns kritisch mit den Ereignissen auseinandersetzen. Die Rede ist von der Umstrukturierung der Daimler AG in einer Dachholding und drei „Unterholdings“. Dazu ist ja in den letzten Tagen genügend zu ausgeführt. Siehe auch unserer Ausgabe der alternative 05.2017 in der wir darauf eingegangen sind.

Toll ist, dass die Verkündung der Umstrukturierung gleich mit der Beschäftigungssicherung 2030 präsentiert werden konnte.

Da meinen wohl einige nun hätte die alternative nichts mehr zu meckern! Das ist wahr wir haben auch nichts zu meckern, sondern wir haben eine andere Sichtweise und streiten um einen anderen Weg der Interessenvertretung. Eine oberflächliche Betrachtungsweise unserer Zukunft bringt uns allen nichts. Es ist nicht gut, Sachen einfach hinzunehmen, weil man hört, was man hören will und nicht sein kann, was nicht sein darf.

Wir haben in den letzten Jahren analysiert und auf den Betriebsversammlungen dargestellt, wie unsere Situation aussieht. Welche Chancen unsere Freunde und Bekannten haben, wenn sie nicht in einem, Großbetrieb wie wir arbeiten, sondern von uns und dem Wohlstand abgekoppelt werden, weil sie in prekäre Beschäftigung bei einer Leih- oder Fremdfirma ihr Geld verdienen müssen. Wir haben aufgezeigt wie es mit den Chancen unserer Kinder steht. Wie entscheidend die Herkunft bei der Chance auf eine gute Zukunft ist. So analysieren wir auch was mit uns auf der Arbeit passiert und ob uns die getroffenen Entscheidungen auf Dauer nutzen.

Das haben wir bei ERA gemacht. Wir haben aufgezeigt, dass gerade im Arbeiterbereich eine Lohnreduzierung stattgefunden hat, die bei etwa 300,-Euro liegen dürfte. Wir haben aufgezeigt, dass der ERA-Tarifvertrag in vielen Punkten, wie z.B. die Mitbestimmung bei der EG Zuteilung aufgegeben wurde und das die Bezahlung nicht abhängig ist von der vollumfänglichen Erbringung der Aufgabe, sondern von der Zuteilung der Aufgabe ist. So steht es zumindest im Tarifvertrag zu ERA. Besonders blöd ist, dass der Tarifvertrag nur eine vage Zeit angibt bis wann eine Reklamation bearbeitet werden muss. Das führt schon wieder dazu, dass Reklamationen einfach verschleppt werden und auch versucht werden einfach zu ignorieren.

Das machen wir auch in der Personalpolitik. Wir zeigen auf, das wir nur Zukunft bauen können, wenn wir auch das nötige Personal zur Erfüllung der Aufgaben haben. Zum Beispiel in der Instandhaltung sind in den letzten Jahren fast keine Abgänge wiederbesetzt worden. Durch den Ausbau des Werkes müssten zusätzliche Stellen geschaffen werden, die Rede ist von insgesamt 42 Stellen. Das geschieht aber nicht! Nötige Einstellungen werden aus Stuttgart blockiert! Da in Hamburg aber die Arbeit nicht erledigt werden kann ist das auch nicht mit den Überhängen in Stuttgart zu beheben. Hinzukommt, dass kein Stuttgarter nach Hamburg kommt, wenn er hier fast 1000 Euro weniger verdient. Soweit auch die Gleichheit der Wertigkeit unserer Arbeit hier. Da nützt uns auch kein Zukunftsbild Hamburg!

Ein weiterer Punkt ist der Knowhow Transfer. Wenn Neueinstellungen erst ein halbes Jahr später eingestellt werden kann von Wissenstransfer nicht die Rede sein.

Übrigens in diesen Punkten sind wir mit der IG Metallfraktion im Betriebsrat einer Meinung.

Sonderschichten stehen wir nicht nur kritisch gegenüber, sondern sehen darin einen Verzicht auf Arbeitsplätze. Nach wie vor steht Arbeitszeitverkürzung für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Dies kann man auch heute noch nachweisen. Nach Einführung der 35-Stundenwoche sind viele im Konzern beschäftigt worden, die heute noch in der demografischen (altersbedingten) Betrachtung stark ins Gewicht fallen.

Beim Gesundheitsschutz trennen sich wieder unsere Ansichten. Aus Arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen sind Schichtarbeit und lange Arbeitszeiten/Sonderschichten unserer Gesundheit nicht zuträglich. Ein Abbau von Sonderschichten und Schichtarbeit ist mit Sicherheit praktizierter Gesundheitsschutz. Es würde sich nachhaltig positiv, besonders bei psychischen Belastungen, auswirken.

Wir betrachten es also so wie es Rosa Luxemburg getan hätte, in dem wir prüfen „wem nutzt DAS!“

Dazu betrachten wir wie ist es dazu gekommen. In diesem Fall die Idee zur Neustrukturierung des Konzerns.

Das ist zweifellos die Debatte um die E-Mobilisierung und die Digitalisierung der Arbeitswelt hinzu Industrie 4.0. Diese Debatte um zukünftige Schritte des Unternehmens hat auch zu Leadership 2020 geführt. Leadership 2020 geht sehr stark auf den Abbau von Hierarchien ein und auf gemeinsame Lösungssuche.

Doch das Wissen darum, dass viele Arbeitsplätze nicht benötigt werden, wenn es zur Einführung von E-Mobilität und Industrie 4.0 kommt hat den Vorstand und die Aktionäre beunruhigt. So hat Herr Zetsche noch Anfang des Jahres ausgeführt, dass bei Einführung der E-Mobilität jeder 7. Arbeitsplatz in der Produktion der Verbrennungsmotoren wegfällt und das dieser Personalabbau zügig erfolgen wird. Siehe dazu Stuttgarter Zeitung vom 4.Februar 2017.

Nun weiß auch der Vorstand, dass es sowohl bei der Einführung der E-Mobilität(alternative 05.2017) als auch bei der Entwicklung zu Industrie 4.0 noch einige Hindernisse zu bewältigen sind. Doch die Verunsicherung sitzt tief und führte zu den Gedanken das Unternehmen umzustrukturieren. Sie wollen schneller auf den Markt und die Situation in den einzelnen Sparten reagieren können.

Da tritt ein ganz großer Widerspruch auf. Der Vorstand will schneller reagieren können, vor allem auf den Wegfall von Arbeitsplätzen, zum anderen gibt er uns eine Beschäftigungssicherung bis 2030. Wie sollen wir das verstehen?

Dazu gibt es einige Kommentare vom Vorstand, bzw. dem Vorsitzenden des Vorstandes Herrn Zetsche.

Daimler plant, ab 2022 jedes Modell auch mit E-Antrieb liefern zu können.

„Bis 2022 werden wir das gesamte Produkt-Portfolio von Mercedes-Benz elektrifizieren.“

Aus T3N 11.09.2017.

Aussage Zetsche: Elektroautos erst 2025 wettbewerbsfähig Deutschlandfunk vom 25.06.2017

Betrachten wir diese Informationen, stellen wir fest, dass man auch im Vorstand nicht mit einem vorzeitigen Abbau der Beschäftigung rechnet. Es kommt ja auch die Überlegung hinzu, dass es, zumindest über einen gewissen Zeitraum zu einer parallel Produktion von E-Antrieb und herkömmlichen Verbrennungsmotor kommen wird. Dies bedeutet sogar noch eine Zunahme der Beschäftigung. Doch weder für den Ausbau der Werke noch für den Zeitraum der parallelen Produktion will Daimler Personal einstellen. Sie streben einen weiteren Ausbau der prekären Beschäftigung an. Wie ich es mitbekommen habe verhandelt der Gesamtbetriebsrat auch schon darüber.

Jetzt könnt ihr euch an Hand der Fakten selbst ein Bild machen, darum sagen wir, dass Daimler uns zumindest noch für diesen Zeitraum braucht. Sollte es anders kommen werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach feststellen müssen, dass wir das Unterlaufen unserer Tarifverträge durch Sonderschichten und auch vom Betriebsrat mitbetriebenen Spaltung in feste Mitarbeiter und Leih- und Fremdarbeiter gegen ein Versprechen eingetauscht haben.

Sozialräume

Wie wir verarscht werden merken wir immer wieder. Ich glaube ich übertreibe hier nicht. Es werden in einer tollen Aktion super feine Sozialräume und Klos gebaut. Ergebnis sie stehen, zumindest in einigen Gebäuden, ständig unter Wasser weil die Rohrleitung nicht erneuert worden sind. Die Wasserhähne und Spülungen funktionieren nicht, weil die Batterien, die die Energie liefern sollen leer sind. Vernünftiger und billigerer wäre es gewesen saubere Sozialräume zu bauen, die einfach sauber gehalten werden können, wo aber die Rohrleitung erneuert sind und die Spülungen und Wasserhähne funktionieren!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das war die Rede der alternative. Ich hoffe sie hat etwas dazu beigetragen zu verstehen, wie wir arbeiten und zu unseren Aussagen kommen. Also keine Anpisserei, oder nur „wir sind dagegen“ -Strategien, sondern so wie wir es auf Gewerkschaftsseminaren gelernt haben setzen wir mit der alternative Gewerkschaftsarbeit um.

Die alternative wünscht euch und euren Familien besinnliche Weihnachtstage und soweit ihr nicht zu Sonderschichten kommen müsst ein paar freie Tage die ihr für eure Erholung sicher dringend gebrauchen könnt.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

Eure alternative